
Nierenzysten oder PKD?
Gestatten Sie mir, zuerst einige kritische Gedanken zu
dem Test und den daraus oft tragischen Folgen für die getesteten
Katzen anzubringen.
Mein grösster Wunsch wäre, dass alle Zuchtkatzen auf Nierenzysten
getestet würden und dass alle Züchter so vernünftig,
verantwortungsbewusst und so tierlieb wären, bei zystischen Nieren-Befunden,
die Katze nicht zur Zucht einzusetzen, sie kastrieren zu lassen und
keinesfalls zu euthanasieren!
Eine Katze, bei der im Ultraschall Nierenzysten gefunden werden, muss
nicht in jedem Falle PKD haben; andererseits, kann man das Riskio nicht
eingehen, mit einer Katze, die Nierenzysten hat und bei der man eben
PKD nicht ausschliessen kann, zur Zucht einzusetzen.
Resultat einer Zwingerumfrage in Deutschland:
Aus dem Bielefelder Symposium (Stand September 99) wurde eine Zwingerumfrage durchgeführt von Frau Mayer im Auftrage des BPT (Bundesverband praktizierender Tierärzte).
Es wurden einheitliche Fragebögen erstellt und an etliche Züchter weitergereicht. Diese hatten nun die Möglichkeit, den Fragebogen anonym zu beantworten. Die Auswertung: 62% der Fragebögen kamen ausgefüllt zurück. Auf die Frage ob die PKD bekannt sei? Antworteten 100% mit ja. Durch wenn wurden sie über die PKD informiert? Da waren Mehrfachantworten möglich. Durch die Medien 86%, durch die Vereine 22%. Wo wurden ihre Tiere geschallt? Beim Tierarzt 40%, in den Tierkliniken 35%, Tierärztliche Hochschulen 20%, Universitäten 40%. Beabsichtigen sie ihre Tiere schallen zu lassen? Antworteten: 90% mit ja und 10% mit nein. Ist alleine das Ultraschallergebnis für sie aussagekräftig? Antworteten 40% mit ja und 60% mit nein. Warten sie mit der Zuchtausscheidung auf den Gentest? Antworteten 58% mit ja und 42% mit nein. Was geschah oder geschieht mit den PKD positiven Tieren? Kastration 50%, vorübergehende Zuchtpause 30%, Euthanasie (einschläfern) 20%. Beabsichtigen sie in der derzeitigen Problematik ihre Zucht aufzugeben oder zu reduzieren? Antworteten 40% mit ja und 60% mit nein.)
Das Resultat dieser Umfrage ist sicher nicht aussagekräftig.
Allerdings stimmt mich sehr bedenklich und ich vermute, dass wenn bereits
20% die Euthanasie als Lösung des Problems zugeben, die Dunkelziffer
noch viel höher sein wird.

PKD (Polycystic Kidney Disease)
ist eine vererbbare Nierenkrankheit, die in Perserkatzen entdeckt wurde.
Über die Polyzystische Nierenerkrankung (PKD) wurde vereinzelt
seit 1967 in der Literatur berichtet, aber richtige Studien zu dieser
Nierenerkrankung begannen erst 1990. Eine betroffene 6 Jahre alte weibliche
Perserkatze wurde mit vergrösserten Nieren und Symptomen von Nierenversagen
an die Staatl. Universitätshochschule Ohio überwiesen. Die
Diagnose lautete letztendlich PKD. Mit den Nachkommen dieser Katze wurde
eine Kolonie gegründet und die Forschung über den Krankheitsverlauf
konnte beginnen.

Was bewirkt diese Krankheit bei Katzen?
PKD ist eine Krankheit die im fortgeschrittenen Alter sichtbar wird. Zwischen dem 3. und 10. Lebensjahr treten vergrösserte Nieren und Nierenfunktionsstörungen auf. (Durchschnittsalter 7 Jahre). Dieser Zustand ist erblich bedingt und die Zysten sind von Geburt an vorhanden - sind aber bei jüngeren Tieren kleiner. Die Grösse der Zysten kann zwischen 1 mm und mehr als 1 cm variieren. Ältere Katzen haben zahlreichere und grössere Zysten. Probleme entstehen, wenn diese Zysten anfangen zu wachsen, zunehmend die Nieren vergrössern und dadurch die Nierenfunktion beeinträchtigt und reduziert wird. Das Ende bedeutet Nierenversagen. Einige der klinischen Anzeichen sind Depressionen, fehlender oder reduzierter Appetit, übermässiger Durst, übermässige Urinabgabe und Gewichtsverlust. Ein auffallender Unterschied , wann und wie schnell die einzelnen Katzen erliegen, besteht darin wie schnell die Krankheit bei den einzelnen Tieren fortschreitet. Es besteht aber die Möglichkeit, dass sich die Krankheit spät im Leben der Katze entwickelt, so dass die Katze aus anderen Gründen stirbt bevor die Nieren versagen. Wie auch immer, wenn die Zysten anfangen zu wachsen und dadurch Probleme verursachen ist am Ende ein Nierenversagen sicher. Einige Zysten wurden auch in anderen Organen wie der Leber und der Gebärmutter gefunden.
Wie ist PKD zu diagnostizieren?
PKD ist mit einem Ultraschallgerät sehr einfach zu diagnostizieren
und somit kann man die Krankheit in einem sehr frühem Stadium erkennen.
Dies erfordert lediglich das Abrasieren eines kleinen Streifens Haare
am Unterleib und ein wenig Zeit zum Erkennen möglicher Zysten.
Mit der richtigen Ausrüstung und einem erfahren Arzt/Personal kann
dies schon im Alter von 8 Wochen erfolgen. Normalerweise ist es so:
je älter die Katze um so grösser die Zysten und um so einfacher
sind diese zu entdecken. Wenn die Katze annähernd 10 Monate alt
ist, sind Ultraschalldiagnosen bis zu 98% sicher.
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Normale Katzenniere
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Niere einer 6 Wochen alten Katze mit PKD
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Niere einer erwachsenen Katze im Endstadium
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Hochgradiger Zystenbefund in der Niere bei einer
Perserkatze, männlich, kastriert, 14 Jahre
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Es sollte mit einem Ultraschallgerät von
ca. 7,5 MHz und 256 Graustufen geschallt werden.
Erkundigen Sie sich vorher in Ihrer Tierklinik ob ein geeignetes Gerät vorhanden ist und ein Arzt der sich mit Ultraschall und dem Krankheitsbild sehr gut auskennt. |
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Ultraschall-Längsschnitt einer unveränderten
Katzenniere; M=Nierenmark, NB=Nierenbecken, NR=Nierenrinde
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5 Nierenzysten im Rinden- und Markbereich bis
6cm Durchmesser, Nierenlängsschnitt, Perserkatze, männlich,
3 Jahre; Schwarze Areale = Zysten
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| Ultraschallbild einer 8 Wochen alten Katze mit PKD | Ultraschallbild einer erwachsenen Katze mit 3 Zysten (positiv für PKD) im Endstadium PKD |
Wie bekommt eine Katze PKD?
PKD ist keine ansteckende Krankheit. Dr. David Biller von der Staatl.
Universität in Kansas hat kürzlich Studien fertiggestellt
und die Ergebnisse veröffentlicht. Diese zeigen, daß PKD
ein Autosomal Dominantes Erbmerkmal ist. Die veröffentlichten Resultate
sind im "Journal of Heredity" 1996;87:1-5 zu finden. Ein kleiner
Rückblick in die Genetik: ein "autosomal dominantes"
Gen ist, wenn es sich zeigt, sobald es vorhanden ist - sogar wenn es
nur von einem Elternteil vererbt wurde. Man kann also sagen eine PKD
freie Katze ist auch genetisch PKD frei! Wenn die Katze PKD positiv
ist, muss man unterscheiden, ob sie heterozygous/mischerebig (das Gen
von einem Elternteil geerbt) ODER homozygous/reinerbig (das Gen von
beiden Elternteilen geerbt) ist.
In der Tabelle wird einfache "Mendelsche Genetik" dargestellt,
um verständlich zu machen wie diese Krankheit vererbt wird. (und
jedes "Autosomal Dominante Merkmal")

Nicht befallene Katze = xx Mischerbig befallene Katze = Xx Reinerbig
befallene Katze = XX
Wie ist die Behandlung für diese Krankheit?
PKD ist das Ergebnis eines "autosomal dominanten" Gens und
es ist daher relativ einfach aufzuspüren und auszuschliessen. Alle
zur Zucht verwendeten Katzen sollten mit Ultraschall untersucht werden
um vorhandene Nierenzysten zu erkennen. Es dauert nur einige Minuten
mit keiner oder einer kleinen Narkose. Wenn ein positives Ergebnis vorliegt
und es möglich ist, dann lassen Sie die Elterntiere testen.
Der einfachste Weg diese Krankheit zu eliminieren ist, die PKD positiven
Tiere zu kastrieren!
Es ist wahrscheinlich, dass viel mehr Perser von PKD betroffen sind
als zur Zeit diagnostiziert wird. Mit mehr Studien und veröffentlichten
Information über diese Krankheit können Züchter und Tierärzte
daran arbeiten, PKD-freie Zuchtprogramme zu erstellen. Auf diese Weise
kann dieses genetische Gesundheitsproblem ausgeschlossen werden.
Ingrid Vitali
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